Wir verstehen unsere Arbeit als die Verbindung von Kenntnissen der gegenständlichen Kunst mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Anatomie des Gesichts. Die Auseinandersetzung mit der Darstellung junger und alter Gesichter vermittelt ein Verständnis dafür, wie unterschiedliche anatomische Strukturen die äußere Erscheinung prägen – insbesondere hinsichtlich von Konturen, Volumenverteilung sowie dem Zusammenspiel von Lichtreflexen und Schatten. Diese Merkmale bestimmen wesentlich, ob ein Gesicht als jung oder gealtert wahrgenommen wird.
Ergänzt wird dieses Verständnis durch die Kenntnis der anatomischen Gesichtsstrukturen, ihrer Funktion sowie der chirurgischen Zugänge zu diesen Strukturen. Unser Ziel ist es, altersbedingte Veränderungen zu behandeln, ohne den individuellen Ausdruck, die charakteristischen Merkmale oder das natürliche Erscheinungsbild des Gesichts zu verändern.
Man muss beispielsweise stets berücksichtigen, dass auch ein 20-jähriger Surfer bereits sichtbare Fältchen im Gesicht haben kann. Aufgrund der jugendlichen Struktur von Haut, Muskulatur, Fettgewebe und knöchernem Gesichtsskelett wirkt sein Gesicht dennoch insgesamt jung. Die Faltenbildung als solche darf daher nicht im Mittelpunkt eines ästhetischen Behandlungskonzepts stehen. Entscheidend sind vielmehr die altersbedingten Veränderungen der tieferliegenden anatomischen Strukturen und ihrer räumlichen Anordnung. Im Vordergrund sollte deshalb die Wiederherstellung beziehungsweise Repositionierung von Haut, Fettgewebe und Muskulatur stehen, um verlorengegangene Konturen und Volumenverhältnisse möglichst an ihre ursprüngliche Position zurückzuführen. Ziel ist nicht die bloße Glättung der Hautoberfläche, sondern die Wiederherstellung jener anatomischen Verhältnisse, die ein Gesicht auf natürliche Weise jung erscheinen lassen. Dadurch soll nicht ein neues Gesicht geschaffen werden, sondern die natürliche räumliche Anordnung der Gewebe, wie sie für ein jüngeres Erscheinungsbild charakteristisch ist, möglichst wiederhergestellt werden.
Diese Philosophie unterscheidet sich grundlegend von dem gegenwärtig weit verbreiteten Ansatz einer großzügigen Volumisierung des Gesichts durch Fetttransplantationen oder Hyaluronsäure-Filler. Die Anwendung von Fillern, die Konturierung von Lippenrändern sowie der Einsatz von Botulinumtoxin stellen wichtige und sinnvolle Bestandteile der modernen ästhetischen Gesichtschirurgie dar. In unserem Konzept dienen sie jedoch nicht der Schaffung eines künstlich veränderten Erscheinungsbildes. Ziel ist vielmehr, dass kein „aufgespritzter“ Eindruck entsteht, sondern dass die natürlichen anatomischen Strukturen und Proportionen möglichst in den Zustand zurückgeführt werden, den sie in jüngeren Jahren auf natürliche Weise besessen haben.
Das Feindbild dieser Philosophie ist das, was wir als „Mönckebergstraßenphänomen“ bezeichnen. Gemeint sind Gesichter offensichtlich älterer Menschen mit zwar glatter und nahezu faltenfreier, teilweise pergamentartig wirkender Haut, deren natürliche Anatomie jedoch durch eine übermäßige Volumisierung verloren gegangen ist. Die Folge sind aufgequollen wirkende Gesichtszüge, die bereits auf den ersten Blick den Eindruck eines künstlich veränderten Erscheinungsbildes vermitteln.
Eine solche Form der Glättung hat wenig mit den Merkmalen zu tun, die ein Gesicht tatsächlich jung, attraktiv und nicht zuletzt auch sinnlich erscheinen lassen. Jugendlichkeit entsteht nicht allein durch das Fehlen von Falten, sondern durch harmonische Proportionen, natürliche Konturen, eine ausgewogene Volumenverteilung und die unverwechselbare individuelle Ausstrahlung eines Gesichts.
1. Juni 2026